🐄 🐔 🐷 🐶 🧠

Tiere –
Ernährung –
Gesellschaft

Arbeitsmaterial für Klasse 5–9 zu Tieren,
Ernährung & gesellschaftlichen Zusammenhängen

Drei Jugendliche sitzen zusammen am Tisch und diskutieren – vor ihnen zwei Teller, einer mit Fleisch und Gemüse, einer mit Tofu und Gemüse 📚 Klasse 5 · 6 · 7 · 8 · 9  |  ca. 11–15 Jahre

Annika Frank · diefranks.org · CC BY-NC 4.0

diefranks.org

Dieses Bildungsmaterial berücksichtigt die Gütekriterien für digitale BNE-Materialien gemäß Beschluss der Nationalen Plattform BNE vom 9. Dezember 2022. Quelle: BNE-Portal.

📋 Inhaltsverzeichnis
Vorwort & Hinweise für Lehrkräfte / Workshopleiter*innen / Referent*innen
3
1
Gleich oder verschieden? – Tiere und wie wir sie einteilen
5
2
Hinter den Kulissen?
7
3
Gesellschaftliche Prägung
10
4
Kognitive Dissonanz
12
4b
Was bedeutet Gerechtigkeit?
14
5
Stimmt das wirklich? – Mythen hinterfragen
16
6
Werbung unter der Lupe
18
7
Eine Position einnehmen
20
8
Meine Entscheidung – meine Wirkung
22
9
Reflexion & Abschluss
24
🔑
Lösungshinweise
26

📌 Legende – Aufgaben-Badges

Kl. 5–6 Zugänglich ab Klasse 5 – geeignet für Einstieg
Kl. 7–9 Empfohlen ab Klasse 7 – abstrakt, argumentativ
Kein Badge = für alle Klassenstufen geeignet
2
📖 Vorwort & Hinweise
Ziel dieses Materials
Dieses Arbeitsmaterial lädt Schüler:innen der Klasse 5–9 ein:

Das Material betrachtet Ernährung als gesellschaftliche und persönliche Entscheidung – nicht als moralische Vorschrift. Ziel ist kritisches Denken, nicht das Ändern von Essgewohnheiten.

🌍 Pädagogischer Ansatz – BNE

Die Materialien sind im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) gestaltet und tragen besonders zu folgenden SDGs bei:

SDG 2 – Kein Hunger und gute Ernährung
SDG 4 – Hochwertige Bildung
SDG 12 – Verantwortungsvoller Konsum
SDG 14 – Leben unter Wasser
SDG 15 – Leben an Land
Dieses Material vermittelt keine Essensvorschriften und enthält keine Bewertung familiärer Essgewohnheiten. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten – wohl aber Informationen, die das eigene Denken herausfordern.
3

📋 Hintergrundinformationen für Lehrkräfte / Workshopleiter*innen / Referent*innen

🎯 Didaktische Einordnung

Das Material eignet sich für die Fächer Ethik, Biologie, Deutsch (Argumentation) und WAT sowie für Projektwochen. Empfohlene Altersstufe: Klasse 5–9 (ca. 11–15 Jahre). Für Klasse 5 empfiehlt sich eine Auswahl der zugänglicheren Kapitel (1, 2, 3, 8); Kapitel 4b und 7 sind für Klasse 7–9 besonders geeignet. Gesamtumfang: ca. 3–5 Unterrichtsstunden je nach Auswahl. Aufgaben 1–4b bauen aufeinander auf; 5–7 können auch einzeln eingesetzt werden. Kapitel 8 (Wirksamkeit) bildet mit Kapitel 9 (Reflexion) den Abschluss.

💄 Zum Abschnitt Kosmetik & Tierversuche (Kap. 2b)

Der Info-Block zu Tierversuchen und tierischen Inhaltsstoffen in Kosmetik eignet sich besonders ab Klasse 7, da Schüler:innen in diesem Alter eigene Konsumentscheidungen (z.B. Pflegeprodukte) treffen. Wichtig: Das EU-Verbot von Kosmetik-Tierversuchen gilt seit 2013 – dennoch können Produkte, die in China verkauft werden, dort noch Tierversuche erfordern. Diese Grauzone ist für eine kritische Medienkompetenz sehr relevant. Siegel wie „Leaping Bunny" oder „PETA cruelty-free" bieten Orientierung. Quellen: PETA Deutschland (peta.de), Vier Pfoten (vier-pfoten.de), Bundesamt für Verbraucherschutz (bvl.bund.de).

🧠 Zum Begriff „Kognitive Dissonanz"

Beschreibt das Unbehagen, wenn Überzeugungen und Verhalten nicht übereinstimmen. Für Klasse 5–9 gut greifbar – empfohlen: Einstieg über Alltagsbeispiele (Handy, Sport, Freundschaften) vor dem Bezug zur Ernährung.

⚖️ Zu Kapitel 4b (Gerechtigkeit)

Die Drei-Situationen-Aufgabe (Hund/Schwein/Mensch) ist bewusst herausfordernd gestaltet. Ziel ist nicht, Schüler:innen zu einem bestimmten Ergebnis zu führen, sondern das eigene Unbehagen wahrzunehmen und es zur Sprache zu bringen. Die „Für Mutige"-Box sollte nur eingesetzt werden, wenn eine vertrauensvolle Klassenatmosphäre besteht. Nicht benoten.

📊 Zu Kapitel 8 (Wirksamkeit)

Die Zahl von ~105 Tieren/Person/Jahr stammt von Animal Charity Evaluators, einer unabhängigen Forschungsorganisation (Quelle: animalcharityevaluators.org). Sie basiert auf FAO-Daten und ist konservativ berechnet. Die Zahl umfasst vor allem Fische – das sollte transparent gemacht werden. Die Hochrechnung für die Klasse macht individuelle Wirksamkeit greifbar, ohne zu moralisieren.

💡 Atmosphäre & Ton

Schüler:innen können unterschiedliche Hintergründe und Ernährungsgewohnheiten haben. Wertschätzende Atmosphäre ist Grundvoraussetzung. Bei Kapitel 7 empfehlen sich klare Diskussionsregeln: feste Redezeit, kein Unterbrechen, Argumente statt Meinungen.

📋 Differenzierung

Kapitel 4b „Für Mutige", Kapitel 5c (Faktencheck/Recherche) und Kapitel 7 (strukturierte Diskussion) eignen sich besonders für leistungsstarke Lernende. Kapitel 1, 3 und 8 sind für alle Niveaustufen zugänglich.

4
1
Gleich oder verschieden? – Tiere und wie wir sie einteilen
Manche Tiere nennen wir „Haustiere" – wir streicheln sie, geben ihnen Namen, behandeln sie wie Familienmitglieder. Andere nennen wir „Nutztiere" – sie werden für Essen, Kleidung oder andere Produkte gehalten. Aber woher kommt diese Unterscheidung eigentlich?
✏️ Aufgabe a) – Tabelle ausfüllen Kl. 5–6
Kreuze an, was auf die vier Tiere zutrifft.
Was passt zu wem? 🐶 Hund 🐱 Katze 🐷 Schwein 🐮 Kuh
Kann Schmerzen fühlen
Kann spielen
Hat soziale Bindungen
Wird in Deutschland gegessen
Wird als Haustier gehalten
✏️ Aufgabe b) – Was fällt dir auf? Kl. 5–6
Schreibe 2–3 Sätze zu deinen Beobachtungen.
💬 Aufgabe c) – Diskussion in der Klasse
Ist der Unterschied zwischen „Nutz-" und „Haustier" ein biologischer – oder eher ein gesellschaftlicher? In welchen anderen Ländern werden welche Tiere gegessen?
Reflexionsfrage: Wer entscheidet eigentlich, welches Tier „nützlich" ist – und welches nicht?
5
1
Gleich oder verschieden? – Tiere und wie wir sie einteilen (Fortsetzung)

Der größte Unterschied zwischen Haustieren und Nutztieren ist nicht, wie sie fühlen oder was sie brauchen. Der größte Unterschied ist, dass Menschen entschieden haben:

Die einen
und die anderen .

Wähle: "lieb zu haben"  /  "werden gegessen"

Merksatz: Alle Tiere können fühlen und haben Bedürfnisse. Ob wir sie streicheln oder essen, ist eine menschliche Entscheidung – keine biologische Tatsache.
✍️ Weiterdenken Kl. 7–9
In manchen Kulturen gilt die Kuh als heilig. In anderen Ländern werden Hunde gegessen. Was sagt das über die Unterscheidung „Nutz-" vs. „Haustier" aus? Schreibe 3–4 Sätze.
6
2
Hinter den Kulissen?
Viele Produkte des Alltags haben mehr mit Tieren zu tun, als man auf den ersten Blick denkt – nicht nur beim Essen, sondern auch in Kleidung, Kosmetik und anderen Alltagsgegenständen. Zwischen dem Tier und dem fertigen Produkt liegen oft viele Schritte, die man nicht sieht.
✏️ Aufgabe a) – Produktionsketten beschreiben Kl. 5–6
Beschreibe oder zeichne die Produktionskette für drei Produkte. Von welchem Tier kommt es? Wie viele Schritte liegen zwischen Tier und Produkt?
🥩 Fleischprodukt
z.B. Würstchen
🧀 Milchprodukt
z.B. Käse
👟 Nicht-Lebensmittel
z.B. Lederschuhe
✏️ Aufgabe a) – Vertiefung: Hinter den Kulissen Kl. 7–9
Wähle eines der drei Produkte. Beantworte diese Fragen in 5–8 Sätzen:
Wer verdient daran? Wer zahlt den eigentlichen Preis – Tier, Umwelt, Arbeiter:innen? Warum kaufen Menschen das Produkt, obwohl sie vielleicht wissen, was dahintersteckt?
7
2
Hinter den Kulissen? (Fortsetzung)
🔍 Aufgabe b) – Recherche: Wofür werden tierische Produkte verwendet?Kl. 7–9
Welche weiteren Bereiche fallen dir ein? Ergänze die Tabelle mit mindestens 3 eigenen Beispielen – aus Lebensmitteln, Kosmetik, Kleidung oder anderen Bereichen. Du darfst recherchieren.
Produkt / Bereich Tier Erklärung
✍️ Aufgabe c) – Reflexion Kl. 7–9
Was davon wusstest du vorher nicht? Gibt es etwas, das dich überrascht hat – zum Beispiel bei Tierversuchen oder Inhaltsstoffen in Kosmetik? Was verändert dieses Wissen für dich – oder auch nicht? Schreibe 3–5 Sätze.
Reflexionsfrage: Wenn du ein Produkt kaufst – wie viele Schritte und wie viele Lebewesen stecken dahinter?
8
2
Was steckt wirklich drin? (Milch, Eier & Kosmetik)
Viele Menschen, die kein Fleisch essen, denken: „Ich esse ja nur Milch und Eier – da wird kein Tier getötet." Das stimmt leider so nicht. Hinter Milch und Eiern steckt ein Produktionssystem, das sehr eng mit der Fleischindustrie verbunden ist.

🐄 Was passiert hinter einem Glas Milch?

Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie ein Kalb zur Welt bringen. Das ist biologisch notwendig – genau wie bei menschlichen Müttern. In der Industrie wird das Kalb meist innerhalb weniger Stunden nach der Geburt von der Mutter getrennt, damit die Milch verkauft werden kann.

Was passiert mit dem Kalb?
→ Weibliche Kälber: Sie werden oft zur nächsten Milchkuh aufgezogen – und erleben dasselbe.
→ Männliche Kälber: Sie können keine Milch geben. Für die Milchwirtschaft sind sie wirtschaftlich nicht interessant. Viele werden für wenig Geld an Mastbetriebe verkauft – oft ins Ausland, mit langen Transportwegen.

Mutterkühe suchen nach der Trennung oft verzweifelt nach ihrem Kalb.
Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BZL), VIER PFOTEN, Deutscher Tierschutzbund | landwirtschaft.de, vier-pfoten.de, tierschutzbund.de

🐔 Was passiert hinter einem „Ohne Kükentöten"-Ei?

Seit Januar 2022 ist das Töten männlicher Küken in Deutschland gesetzlich verboten. Das klingt gut. Aber es gibt ein Schlupfloch:

Das Verbot gilt nur für Küken, die in Deutschland schlüpfen. Viele Brütereien haben ihre Produktion ins EU-Ausland verlagert – dort ist das Töten noch erlaubt. Deutsche Betriebe kaufen die Küken dann günstig aus dem Ausland ein.

Männliche Küken, die in Deutschland aufgezogen werden (sog. Bruderhähne), sind für die Fleischindustrie unwirtschaftlich – sie setzen kaum Muskelfleisch an. Deshalb werden viele zur Schlachtung ins Ausland transportiert, da deutsche Schlachthöfe nicht auf diese Tiere ausgelegt sind.

Ein Ei mit „Ohne Kükentöten"-Aufdruck bedeutet also: Die männlichen Brüder der Henne wurden nicht als Küken getötet – aber sie wurden trotzdem irgendwann geschlachtet, oft unter schlechteren Bedingungen und nach langen Transporten.
Quelle: Verbraucherzentrale Deutschland, PROVIEH, Bundesanstalt für Landwirtschaft (BZL) | verbraucherzentrale.de, provieh.de, landwirtschaft.de
🌱 Viele Produkte kennzeichnen inzwischen, ob ihre Produkte ohne tierische Inhalte auskommen (V-Label Vegan) oder rein Vegetarisch (V-Label Vegetarisch) sind.
Auf Produkten erkennst du das an kleinen Symbolen:
V-Label Vegan V-Label Vegetarisch

→ So kann man beim Einkaufen erkennen, welche Produkte ohne oder teils ohne Tiere hergestellt wurden.

💄 Was steckt in meiner Kosmetik?

Auch in Kosmetikprodukten, die fast alle täglich nutzen, spielen Tiere eine Rolle – als Inhaltsstoff oder durch Tierversuche:

Tierversuche: In der EU seit 2013 verboten. Aber: Firmen, die in China verkaufen, müssen dort noch Tierversuche zulassen – auch wenn dasselbe Produkt in Deutschland als „tierversuchsfrei" gilt. Eingesetzte Tiere: vor allem Mäuse, Ratten, Kaninchen.

Tierische Inhaltsstoffe: 🔍 Erkennungszeichen für tierversuchsfreie Produkte: „Leaping Bunny"- oder „PETA cruelty-free"-Siegel Leaping Bunny – Ohne Tierversuche Quellen: PETA Deutschland (peta.de), Vier Pfoten (vier-pfoten.de), Verbraucherzentrale (verbraucherzentrale.de), bvl.bund.de
💭 Aufgabe – Einordnen & Nachdenken Kl. 5–6
Schau dir die Beispiele oben an. Welche überraschen dich am meisten? Kreuze an und schreibe kurz, warum:
💭 Aufgabe – Nachdenken und Einordnen Kl. 7–9
Viele Menschen essen bereits vegetarisch. Denkst du das löst den Großteil der Probleme? Schreibe auf, was du dazu jetzt weißt, was du vorher nicht wusstest – und was das für dich bedeutet oder nicht bedeutet.
Reflexionsfrage: Die Milch- und Eierindustrie und die Fleischindustrie hängen enger zusammen, als viele denken. Was verändert dieses Wissen für deinen Blick auf „vegetarisch" als Alternative?
9
3
Gesellschaftliche Prägung
Was wir als „normal" oder „selbstverständlich" empfinden, ist oft das Ergebnis von vielen kleinen Einflüssen über Jahre. Das Schaubild zeigt, wie das funktioniert.
Schaubild gesellschaftliche Konditionierung: vier Phasen von der frühen Kindheit bis zur Verinnerlichung gesellschaftlicher Normen

Gesellschaftliche Konditionierung – vier Phasen

✏️ Aufgabe a) – Schaubild in eigenen Worten erklären Kl. 5–6
Was passiert in jeder der vier Phasen? Schreibe mindestens einen Satz pro Phase.

Phase 1 – Natürliche Empathie:

Phase 2 – Frühe Einflüsse:

Phase 3 – Soziale Prägung:

Phase 4 – Konditionierung:

10
3
Gesellschaftliche Prägung (Fortsetzung)
✏️ Aufgabe b) – Eigene Beispiele finden
Welche konkreten Einflüsse aus deinem eigenen Leben erkennst du in den Phasen 2, 3 oder 4? Nenne 2–3 Beispiele.
✏️ Aufgabe c) – Übertragung auf andere Lebensbereiche Kl. 7–9
Gilt das Schaubild nur für das Thema Essen – oder auch für andere Bereiche des Lebens? Nenne mindestens zwei Beispiele und erkläre sie kurz.
Diskussionsimpuls: Ist es möglich, sich bewusst gegen gesellschaftliche Prägung zu entscheiden? Was würde das bedeuten – und was würde es kosten?
Merksatz: Gesellschaftliche Prägung ist kein Versagen – sie passiert allen. Bewusstsein darüber ist der erste Schritt zur eigenen Entscheidung.
11
4
Kognitive Dissonanz
Kognitive Dissonanz beschreibt ein unangenehmes Gefühl, das entsteht, wenn das, was wir denken oder glauben, nicht zu dem passt, was wir tun. Das Schaubild zeigt ein Beispiel.
Schaubild kognitive Dissonanz: innerer Konflikt zwischen Zuneigung zu Tieren und dem Konsum von Fleisch

Kognitive Dissonanz – ein innerer Konflikt

✏️ Aufgabe a) – Schaubild beschreiben Kl. 7–9
Beschreibe in deinen eigenen Worten, was im Schaubild dargestellt wird. Was ist der Konflikt? Warum entsteht er?
✏️ Aufgabe b) – Eigenes Beispiel
Kennst du das Gefühl aus deinem eigenen Leben – in einem anderen Zusammenhang als Essen? Beschreibe ein Beispiel.
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4
Kognitive Dissonanz (Fortsetzung)
✏️ Aufgabe c) – Umgangsmöglichkeiten sammeln Kl. 7–9
Welche Möglichkeiten hat eine Person, mit diesem inneren Konflikt umzugehen? Sammle mindestens drei Wege – ohne zu bewerten, welcher „richtig" ist.
1
2
3
+
💭 Aufgabe d) – Weiterdenken Kl. 7–9
Was denkst du: Ist kognitive Dissonanz etwas Schlechtes – oder kann sie auch sinnvoll sein? Schreibe 3–4 Sätze.
Reflexionsfrage: Brauchen wir ein gewisses Maß an innerem Konflikt, um uns weiterzuentwickeln?
13
4b
Was bedeutet Gerechtigkeit?
Kognitive Dissonanz entsteht oft dort, wo wir etwas als ungerecht empfinden – und trotzdem mitmachen. Aber was ist eigentlich Gerechtigkeit? Und für wen gilt sie?
✏️ Aufgabe a) – Was ist Gerechtigkeit?
Schreibe in 2–3 Sätzen, was du unter Gerechtigkeit verstehst. Es gibt keine richtige Antwort – es geht um deine eigene Definition.
✏️ Aufgabe b) – Aussagen bewerten
Lies jede Aussage und markiere: Gerecht / Ungerecht / Kommt drauf an. Notiere kurz warum.
Aussage Deine Bewertung Warum?
Jemanden abzuwerten, weil er schlechter in der Schule ist als andere.
Jemandem weniger Rechte zu geben, weil er anders aussieht als die Mehrheit.
Einer Person zu schaden, damit man selbst einen Genuss hat – wenn die Person das ablehnt.
Einem Tier zu schaden, damit man selbst einen Genuss hat – wenn das Tier das (durch sein Verhalten) ablehnt.
Denk nach: Wo ziehst du die Grenze – und warum gerade dort?
14
4b
Was bedeutet Gerechtigkeit? (Fortsetzung)
✏️ Aufgabe c) – Drei Situationen, eine Frage Kl. 7–9
Lies die drei Sätze und notiere deine erste Reaktion – ehrlich, auch wenn sie dich überrascht.
Situation 1

Ein Hund wird eingesperrt und nach sechs Monaten getötet und gegessen.

Meine erste Reaktion:

Situation 2

Ein Schwein wird eingesperrt und nach sechs Monaten getötet und gegessen.

Meine erste Reaktion:

Situation 3

Ein Mensch wird eingesperrt und nach sechs Monaten getötet und gegessen.

Meine erste Reaktion:

🌟 Für Mutige – Denkaufgabe
Wahrscheinlich haben die drei Situationen bei dir unterschiedliche Reaktionen ausgelöst – obwohl die Handlung in allen drei Fällen dieselbe ist. Versuche, mit Argumenten (nicht mit persönlichen Gefühlen) zu erklären: Warum sollte sich das unterscheiden?
Hinweis: „Weil das so üblich ist" oder „weil das die Gesellschaft so sieht" ist eine Beobachtung – aber noch kein Argument. Ein Argument erklärt, warum etwas sachlich gerechtfertigt ist.
Merksatz: Gerechtigkeit bedeutet, nach konsistenten Maßstäben zu urteilen – also: Was ich für eine Gruppe als falsch erkenne, erkenne ich für eine vergleichbare Gruppe ebenfalls als falsch.
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5
Stimmt das wirklich?
Rund ums Thema Ernährung kursieren viele Behauptungen – in der Werbung, von Erwachsenen, in sozialen Medien. Nicht alles stimmt. Und manchmal ist es komplizierter als „wahr" oder „falsch".
✏️ Aufgabe – Was hast du schon mal gehört? Kl. 5–6
Lies die Aussagen. Kreuze an, was du bisher geglaubt hast – sei ehrlich! Danach bekommt ihr die Antworten gemeinsam.
„Ohne Fleisch bekommt man nicht genug Protein." ☐ Stimmt   ☐ Stimmt nicht
„Fische fühlen keinen Schmerz." ☐ Stimmt   ☐ Stimmt nicht
„Bio bedeutet, die Tiere hatten ein gutes Leben." ☐ Stimmt   ☐ Stimmt nicht
„Weil Menschen etwas schon lange tun, ist es immer richtig." ☐ Stimmt   ☐ Stimmt nicht

Besprecht eure Antworten in der Klasse – bevor ihr weiterlest!

✏️ Aufgabe – Aussagen untersuchen Kl. 7–9
Entscheide für jede Aussage: Stimmt das · Stimmt nicht · Es kommt darauf an
Begründe in 1–2 Sätzen. Du darfst recherchieren.
💪 1. „Ohne Fleisch bekommt man nicht genug Protein."
Stimmt Stimmt nicht Kommt drauf an
Begründung:
🥗 2. „Vegane Ernährung ist automatisch gesünder."
Stimmt Stimmt nicht Kommt drauf an
Begründung:
🐟 3. „Fische fühlen keinen Schmerz."
Stimmt Stimmt nicht Kommt drauf an
Begründung:
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5
Stimmt das wirklich? (Fortsetzung)
🌿 4. „Bio bedeutet, die Tiere hatten ein gutes Leben."
Stimmt Stimmt nicht Kommt drauf an
Begründung:
🌍 5. „Pflanzliche Ernährung ist immer umweltfreundlicher."
Stimmt Stimmt nicht Kommt drauf an
Begründung:
🦴 6. „Menschen haben schon immer Tiere gegessen – das ist natürlich."
Stimmt Stimmt nicht Kommt drauf an
Begründung:
🔍 Weiterführend – Faktencheck Kl. 7–9
Wähle eine der Aussagen und recherchiere sie genauer. Schreibe einen kurzen Faktencheck (ca. 5–8 Sätze): Was sagen Wissenschaftler:innen? Welche Quellen hast du genutzt? Wie verlässlich sind sie?
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6
Werbung unter der Lupe
Wie Lebensmittel beworben werden, beeinflusst, wie wir über sie denken. Werbung zeigt oft glückliche Tiere auf grünen Wiesen – aber entspricht das der Realität?
✏️ Aufgabe a) – Werbeanzeige analysieren
Suche eine aktuelle Werbeanzeige (Print, TV oder Online) für ein Lebensmittel, bei dem Tiere eine Rolle spielen. Klebe oder skizziere sie hier:

Werbung hier einkleben oder skizzieren

Analyse:

Frage Meine Beobachtung
Was wird gezeigt?
Was wird nicht gezeigt?
Welche Gefühle soll sie auslösen?
Welche Begriffe werden verwendet?
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6
Werbung unter der Lupe (Fortsetzung)
✏️ Aufgabe b) – Vergleich: Darstellung vs. Realität Kl. 7–9
Du hast bereits etwas über Produktionsketten gelernt. Wird bei deiner gewählten Werbedarstellung die Produktion ehrlich dargestellt oder thematisiert?
✏️ Aufgabe c) – Ehrliche Werbung gestalten Kl. 5–6
Gestalte selbst eine „ehrliche" Version der Werbung – als Skizze oder kurzen Text. Was würde sie zeigen? Was würde sie sagen?

Skizze oder Text hier

Diskussionsimpuls: Warum zeigen Lebensmittelhersteller in ihrer Werbung selten, wie Tiere wirklich gehalten werden? Wessen Interessen stehen dahinter?
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7
Eine Position einnehmen
Es gibt selten einfache Antworten auf komplexe Fragen. In dieser Aufgabe geht es nicht darum, wer Recht hat – sondern darum, eine begründete Position zu entwickeln und sie zu vertreten.
✏️ Aufgabe – Wähle eine der folgenden Fragen: Kl. 7–9
Option A Sollte die Schulkantine deiner Schule auf ein rein veganes Angebot umstellen? Warum reicht „nur vegetarisch" möglicherweise nicht aus? Begründe deine Position – und berücksichtige dabei, was du in Kapitel 2 über Milch und Eier gelernt hast.
Option B Ist es widersprüchlich, Tiere als Haustiere zu lieben und gleichzeitig Tiere zu essen? Oder ist das eine persönliche Entscheidung, die jede:r für sich treffen darf?
Option C Zwei Menschen äußern sich zu Veganismus:
Person 1: „Veganer sind radikal und übertreiben."
Person 2: „Veganer leben im Einklang mit ihren eigenen Überzeugungen und Werten."
Wie bewertest du diese beiden Aussagen nach dem, was du in diesem Material erarbeitet hast? Begründe mit Argumenten – nicht mit persönlichen Vorlieben.

Meine Position:

20
7
Eine Position einnehmen (Fortsetzung)
Optional: Strukturierte Klassendiskussion
Je zwei Gruppen bereiten je eine Position vor und diskutieren 10 Minuten nach festgelegten Regeln: feste Redezeit · kein Unterbrechen · Argumente statt Meinungen · gegenseitiger Respekt.
Merksatz: Eine Position ist dann stark, wenn sie auf Fakten und Argumenten beruht – nicht auf Meinungen & Annahmen. Wer seine Haltung faktenbasiert begründen kann, hat nachgedacht und kann nach seinen eigenen Überzeugungen entscheiden.
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8
Meine Entscheidung – meine Wirkung
Manchmal hört man: „Was ändert es schon, wenn nur ich mich anders entscheide?" Tatsächlich zeigen Daten, dass individuelle Entscheidungen – wenn viele Menschen sie treffen – den Markt direkt verändern. Und auch eine einzelne Person hat mehr Wirkung, als man denkt.

📊 Was eine Person bewirkt

Eine unabhängige Forschungsorganisation (Animal Charity Evaluators) hat auf Basis von UN-Ernährungsdaten berechnet, dass eine Person, die sich pflanzlich ernährt, im Durchschnitt jährlich rund 105 Wirbeltiere weniger in der Produktionskette verursacht – darunter Fische, Hühner und andere Nutztiere. Das ist eine konservative Schätzung; die tatsächliche Zahl liegt laut Autor:innen eher höher.

Auf Deutschland bezogen: Jede:r Deutsche isst im Durchschnitt mehr als 900 Hühner und weitere Tiere im Laufe eines Lebens.
Quelle: Animal Charity Evaluators, „Effects of Diet Choices" (2021) | animalcharityevaluators.org/research/reports/dietary-impacts/effects-of-diet-choices/
Mehr pflanzlich kaufen Nachfrage ↑ → Angebot wächst · Preise sinken Weniger tierisch kaufen Sinkende Nachfrage → weniger Produktion
🔢 Aufgabe a) – Hochrechnung für eure Klasse Kl. 5–6
Ihr seid ca. Schüler:innen in eurer Klasse. Wenn sich alle pflanzlich ernähren würden, wie viele Tiere würden laut Studie (105/Person/Jahr) jährlich weniger in der Produktionskette stehen?

Rechnung:    × 105 = Tiere pro Jahr
Denk nach: Ist das viel oder wenig? Was würde es bedeuten, wenn sich nicht nur eine Schulklasse, sondern eine ganze Schule – oder eine ganze Stadt – so entscheiden würde?
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8
Meine Entscheidung – meine Wirkung (Fortsetzung)
🍳 Aufgabe b) – Hausaufgabe: Vegan ausprobieren
Such dir ein Gericht, das du gerne isst – und das Tierprodukte enthält. Versuche, es zuhause in einer veganen Version zuzubereiten. Berichte in der nächsten Stunde:
Frage Deine Antwort
Welches Gericht habe ich ausprobiert?
Was habe ich womit ersetzt?
Was hat mich überrascht?
Was hat gut geklappt?
Was hat noch nicht so gut funktioniert?
Würde ich es nochmal machen?
Tipps für häufige Ersetzungen:
🥚 Rührei → Tofu mit Kurkuma + Kala Namak (Schwarzsalz für Ei-Geschmack)  |  🥛 Milch → Hafer-, Soja- oder Mandelmilch  |  🧀 Käse → Hefeflocken + Cashews  |  🥩 Hackfleisch → Linsen oder Soja-Granulat  |  🍳 Butter → Pflanzenmargarine oder Kokosöl

💡 Was kann ich konkret tun – jetzt, heute?

Kein Mensch muss über Nacht alles verändern. Manchmal fühlen sich große Probleme so groß an, dass man gar nicht erst anfangen will – das kennen die meisten. Aber genauso wie ein Fluss aus vielen einzelnen Tropfen besteht, entsteht Veränderung aus vielen kleinen Entscheidungen.

Ein paar Ideen für den Anfang:

Das Beste, was du tun kannst, ist einfach: anfangen. Schritt für Schritt. Denn am Ende sind es viele kleine Schritte, die zusammen wirklich etwas in Bewegung bringen – bei dir selbst, und in der Gesellschaft.

Wichtig dabei: Kein einzelner Schritt macht dich zu einem „guten" oder „schlechten" Menschen – das ist zu einfach gedacht. Es geht nicht ums Freikaufen, sondern ums Mitdenken. Und das tust du schon, wenn du diese Fragen stellst.

Merksatz: Jede Mahlzeit ist eine Entscheidung – und Entscheidungen haben Wirkung. Wer das weiß, trägt Verantwortung. Wie man damit umgeht, bleibt jedem selbst überlassen. Aber anfangen lohnt sich.
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9
Reflexion & Abschluss
Zum Abschluss geht es um dich – um deine eigene Sichtweise, deine Gedanken, deine offenen Fragen. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten.
✍️ Aufgabe – Mein Fazit Kl. 5–6
Wähle 3 Sätze aus und vervollständige sie:
Das hat mich am meisten überrascht:
Das wusste ich vorher nicht:
Ich finde es wichtig, dass
Eine Frage habe ich noch:
✍️ Aufgabe – Persönlicher Reflexionstext Kl. 7–9
Schreibe einen kurzen persönlichen Text (ca. 8–12 Sätze). Nutze die Leitfragen unten als Hilfe – du musst nicht alle beantworten.

💡 Leitfragen:

24
9
Reflexion & Abschluss (Fortsetzung)

1. 🌟 Das habe ich neu gelernt:

2. 💭 Darüber habe ich nachgedacht:

3. ✍️ Ein Satz von mir:

Ich habe gelernt, dass

Merksatz: Wissen verändert nichts automatisch. Aber wer informiert entscheidet, kann mit sich selbst und seinen Überzeugungen im Einklang leben. Das macht ein verantwortungsbewusstes Leben aus.
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Lösungshinweise für Lehrkräfte / Workshopleiter*innen / Referent*innen

1. Gleich oder verschieden? – Tiere und wie wir sie einteilen

Alle vier Tiere können Schmerzen fühlen ✓, spielen ✓ und haben soziale Bindungen ✓. Gegessen in Deutschland: Schwein ✓, Kuh ✓. Als Haustier: Hund ✓, Katze ✓. Diese Einteilung ist kulturell bedingt, nicht biologisch. In anderen Kulturen: Hund (Teile Asiens), Pferd (Frankreich vorrangig aber vereinzelt auch in Deutschland), Kuh heilig (Indien).
Lückentext: „lieb zu haben" / „werden gegessen"

2. Woher kommt mein Essen? (inkl. Milch & Eier)

Würstchen: Schwein → Schlachthof → Zerlegung → Verarbeitung → Verpackung → Supermarkt
Käse: Kuh (Melken, Kalb wird getrennt) → Molkerei → Lab/Erhitzen → Reifung → Handel
Lederschuhe: Kuh → Schlachthof → Gerberei → Schuhfabrik → Handel
Überraschende Beispiele (Lebensmittel & Alltagsprodukte): Gelatine (Gummibärchen) · Lanolin/Schafwollfett (Lippenpflege) · Cochenille E120 (roter Farbstoff) · Daunen (Jacken) · Bienenwachs (Lippenstift, Mascara) · Keratin (Shampoo)
Kosmetik & Tierversuche: Tierversuche für Kosmetika sind in der EU seit 2013 verboten. Firmen, die in China verkaufen, müssen dort aber noch Tierversuche zulassen – auch wenn das Produkt in Deutschland als „tierversuchsfrei" gilt. Hauptsächlich eingesetzte Tiere: Mäuse, Ratten, Kaninchen. Erkennungsmerkmal für tierversuchsfreie Produkte: „Leaping Bunny"- oder „PETA-approved"-Siegel.
Milch & Eier – Vertiefung: Kuh muss jährlich ein Kalb gebären; Kalb wird kurz nach Geburt getrennt; männliche Kälber wirtschaftlich unerwünscht, Verkauf an Mastbetriebe oft ins Ausland. „Ohne Kükentöten" gilt nur für in Deutschland geschlüpfte Küken; Brütereien haben teilweise ins EU-Ausland verlagert; Bruderhähne werden oft im Ausland geschlachtet. Quellen: BZL (landwirtschaft.de), VIER PFOTEN, Verbraucherzentrale.

3. Gesellschaftliche Prägung

Phase 1: Spontane Zuneigung zu Tieren – keine Unterscheidung zwischen Nutz- und Haustier.
Phase 2: Erste Einflüsse: Familie, Sprache (z.B. „Chicken Nuggets"), Gewohnheiten, Werbung.
Phase 3: Schule, Peer-Druck, Medien verstärken Normen; Abweichung erzeugt sozialen Druck.
Phase 4: Das Erlernte fühlt sich vollständig „normal" an.
Andere Bereiche: Geschlechterrollen · Konsumverhalten · Schönheitsideale · Sportinteressen · politische Überzeugungen

26
🔑
Lösungshinweise (Fortsetzung)

4. Kognitive Dissonanz

Schaubild: Links: Hund, Kuh, Schwein mit Herzchen = Zuneigung zu Tieren. Rechts: Teller Fleisch = Konsum von Tieren. Beide Überzeugungen bestehen gleichzeitig → „Konflikt".
Umgangsmöglichkeiten: Verdrängen · Rationalisieren (z.B. „das ist natürlich") · Differenzieren (Nutztiere seien anders) · Verhalten anpassen.
Wichtig: Die Möglichkeit „Verhalten anpassen" wird oft als die einzige dargestellt, die den Widerspruch auflöst – die anderen verlängern ihn lediglich. Das muss nicht explizit gesagt werden; die Frage kann im Unterricht offen bleiben.

4b. Gerechtigkeit

Aussagen-Tabelle: Ziel ist nicht eine „richtige" Antwort, sondern das Erkennen eigener Maßstäbe. Erwartbar: die ersten zwei Aussagen werden klar als ungerecht bewertet; bei der vierten Aussage (Tier) entsteht möglicherweise Zögern – das ist der Kern der Aufgabe.
Drei-Situationen-Aufgabe: Die Handlung ist identisch; die Reaktion unterscheidet sich. Wenn Schüler:innen keine sachlichen Argumente finden, die den Unterschied begründen, ist das ein gewolltes Ergebnis. Atmosphäre: ruhig, nicht konfrontativ. „Ich weiß es nicht" ist eine valide Antwort – aber sie sollte ausgehalten werden.
„Für Mutige": Nur einsetzen, wenn die Klassensituation das zulässt. Nicht benoten.

5. Stimmt das wirklich?

1. Protein ohne FleischStimmt nicht. Hülsenfrüchte, Nüsse, Tofu, Tempeh liefern ausreichend Protein.
2. Vegan automatisch gesünderStimmt nicht. Stark verarbeitete vegane Produkte können ungesund sein.
3. Fische fühlen keinen SchmerzStimmt nicht. Fische haben Nozizeptoren (=Schmerzrezeptoren) und zeigen Stressreaktionen.
4. Bio = gutes TierlebenKommt drauf an. Bio-Standards schreiben mehr Platz vor, Siegel aber nicht einheitlich.
5. Pflanzlich immer umweltfreundlicherKommt drauf an. Im Durchschnitt klimafreundlicher – einzelne Produkte (Avocado, Mandeln) können hohen Wasserverbrauch haben.
6. Menschen aßen immer TiereHistorisch zutreffend, aber heutige Massentierhaltung ist nicht vergleichbar. „Natürlich" ist kein moralisches Argument.

6. Werbung – Typische Muster

Glückliche Tiere auf grünen Wiesen · Begriffe: „natürlich", „traditionell", „artgerecht" (rechtlich kaum definiert) · Emotionale Familienbilder ohne Produktbezug · Massentierhaltung wird nie gezeigt.

7. Position einnehmen – Hinweise

Option A (Kantine vegan): Aufbauend auf Kap. 2 Vertiefung – vegetarisch löst die Problematik von Milch/Ei-Industrie nicht. Argument für vegan: konsequentere Umsetzung eigener Werte; dagegen: Akzeptanz, Kosten, Wahlfreiheit.
Option B (Widerspruch Haustier/Essen): Direkte Verbindung zu Kap. 1 und 4; keine „richtige" Antwort, Reflexion erwünscht.
Option C (Standpunkt-Bewertung): „Radikal" impliziert, dass jemand über das gesellschaftlich Übliche hinausgeht. Veganer:innen handeln konsistent mit dem, was viele Menschen über Tierleid denken – sie handeln nur konsequenter als die Mehrheit. „Im Einklang mit Überzeugungen" ist sachlich korrekt beschreibbar. Kein Urteil über Nicht-Veganer:innen nötig. Ziel der Aufgabe: Schüler:innen erkennen, dass es weniger anstrengend ist, im Einklang mit den eigenen Werten zu handeln, als im Widerspruch dazu.

8. Meine Entscheidung – meine Wirkung

Hochrechnung: Klassengröße × 105 = Anzahl Tiere/Jahr. Bei 25 Schüler:innen = 2.625 Tiere/Jahr. Ziel: Messbarkeit von Entscheidungen erfahrbar machen.
Hausaufgabe „vegan kochen": Keine Bewertung. Offene Berichterstattung in der Klasse – Überraschungen und Misserfolge sind genauso wertvoll wie Erfolge. Empfehlung: positiv aufnehmen, keine Konkurrenz erzeugen.

9. Reflexion & Abschluss

Kein Lösungsvorschlag – persönliche Reflexion ohne richtige oder falsche Antwort. Empfehlung: Texte nicht benoten, das erhöht Ehrlichkeit und Tiefe. Optional als freiwilligen Austausch in der Klasse nutzen.

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